Seide vor dem Fangnetz
Ein Tier kann Seide herstellen, ohne schon ein Radnetz zu bauen. Dieser Unterschied ist für die frühe Spinnengeschichte entscheidend. Beim devonischen Attercopus fanden Forschende Seidenaustrittsöffnungen an Plattenrändern. Die beweglichen Spinnwarzen echter Spinnen fehlen. Der Fund zeigt damit eine Kombination von Merkmalen, die wir nicht einfach auf eine heutige Spinne übertragen dürfen.
Eine Deutung wird überprüft
Attercopus wurde zunächst als sehr frühe Spinne eingeordnet. Neue Untersuchungen führten 2008 zur Zuordnung zu den Uraraneida, einer ausgestorbenen Verwandtschaftsgruppe. Das ist kein Makel der Forschung: Zusätzliche Funde und genauer untersuchte Merkmale können Erklärungen verbessern. Der älteste bekannte Fund ist außerdem nicht automatisch der tatsächliche Ursprung einer Tiergruppe.
Was wir daraus lernen
Seide könnte anfangs zum Auskleiden, Umhüllen oder zur Orientierung gedient haben. Solche Verwendungen sind plausible Deutungen, keine beobachteten Filmszenen aus dem Devon. Wir unterscheiden deshalb das erhaltene Merkmal, die daraus abgeleitete Funktion und die offene Frage nach dem Verhalten. Unsere Zeitreise folgt diesen Spuren, ohne eine lückenlose Ahnenreihe vorzutäuschen.
Ein datierter Hinweis
Die Attercopus-Reste aus Gilboa wurden aus rund 386 Millionen Jahre alten Ablagerungen beschrieben. Das datiert den erhaltenen Hinweis, nicht zwingend den ersten Ursprung der Seide. Echte Spinnen sind aus dem späten Karbon belegt. Zwischen beiden Aussagen liegt die Frage, welche Merkmale eine Verwandtschaftslinie wann erwarb.
Quellen & Bildnachweise
- Selden, Shear & Sutton (2008) · Fossil evidence for the origin of spider spinnerets ↗
- Garwood et al. (2016) · Almost a spider: a 305-million-year-old fossil arachnid and spider origins ↗
Quellenstand: 1. November 2026. Zahlen und Rekorde gelten mit den im Beitrag genannten Einschränkungen.
