spiders.fyiFOR YOUR INFORMATION
Künstlerische Veranschaulichung: Interpretation einer kleinen Federbeinspinne mit Haarbüscheln am Vorderbein über einem waagerechten Netz.

Spinnenbibliothek

Uloborus plumipes

Haarbüschel an den Vorderbeinen und feinste Fangwolle machen diese Spinne zu einer kleinen Materialwerkstatt.

Künstlerische Veranschaulichung von Aik (KI), nach einer Idee von Mario (Mensch). Nicht maßstabsgetreu; keine Vorlage zur Artbestimmung.
← Zur Spinnenbibliothek

Teil unserer besonderen Auswahl von 50 Arten. Eine oft übersehene Spezialistin für trockene, fein aufgekämmte Fangseide.

Familie
Uloboridae
Region
Europa, Afrika, Asien
Besonderheit
Seide & Fanggeräte, Körperform & Tarnung

Federbeine im Gewächshaus

Weibchen besitzen auffällige Büschel langer Haare an den vorderen Schienen. Die gesamte Spinne wirkt in Ruhe eher wie ein kleines Stück trockener Vegetation als wie eine klassische Radnetzspinne. In Teilen Europas lässt sie sich in warmen Gewächshäusern finden. Mit Pflanzen transportierte Tiere erklären solche Vorkommen besser als die Vorstellung einer ausschließlich tropischen Welt.

Fangwolle statt sichtbarer Klebetropfen

Die Fangfäden enthalten ein Geflecht extrem feiner Fasern. Diese cribellate Seide entsteht an einer besonderen Spinnplatte und wird mit einem Beinkamm verarbeitet. Der Begriff Fangwolle beschreibt ihre lockere Struktur besser als das Bild eines nassen Klebefadens. Viele kleine Kontakte vergrößern die Berührungsfläche, wenn ein Insekt auf den Faden trifft.

Die Oberfläche der Beute zählt mit

Versuche zeigen, dass die wachsartige Außenhülle von Insekten die Haftwirkung cribellater Fäden beeinflussen kann. Die Beute ist damit keine beliebige glatte Testfläche. Materialeigenschaften entstehen im Kontakt zweier Oberflächen. Das macht Vergleiche spannend: Ein Faden, der auf Glas schwach haftet, muss sich auf einem echten Insektenpanzer nicht genauso verhalten.

Ein Radnetz mit eigener Materialgeschichte

Uloborus plumipes verbindet eine bekannte Grundform, das Radnetz, mit einer weniger vertrauten Fangtechnik. Ihre Auswahl beruht auf diesem Unterschied, nicht auf weltweiter Seltenheit. Wer verschiedene Netze vergleicht, kann auf die Oberfläche der Fangfäden achten: Ein gleichmäßiges Muster verrät noch nicht, ob Klebetropfen oder eine trockene Fasermatte die Beute festhalten.

Was wissen wir – und wo sind die Grenzen?

Fangseide wurde an U. plumipes mikroskopisch und mechanisch untersucht. Elektrische Effekte sind Teil der Diskussion, nicht die einzige Erklärung für jede Haftung.

Im Museum suchen